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10. Tag laufend, Belorado

Belorado

Ich habe heute gleich zwei Grenzen überschritten: Zum einen die der Rioja in die Provinz ‚Kastilien und Léon‘ und die der 200 km-Marke. Ich habe zum Abschluss dieses Tages bisher 220 km zu Fuss hinter mich gebracht und morgen werden noch einmal 26 folgen. Morgen Abend werde ich in der Herberge von Rafael, mit dem wir ja schon gelaufen sind und von dem ich geschrieben habe (schrub), nächtigen.

Habe nun auch schon so gut Werbung unter den netten Leuten gemacht, dass die Alberge sicherlich gut besucht sein wird. Habe mich heute mir einem netten Franzosen unterhalten, wir begleiten uns gegenseitig schon von Beginn an, doch erst heute haben wir wirklich miteinander gesprochen. Er ist seit 45 Tagen unterwegs! Wahnsinn!!!

Leider haben heute auch die Spanier in meine Alberge gefunden, die mich gestern schon nicht wirklich schlafen gelassen haben. Sie sind zwar echt nett, doch auch ebenso laut. Vor allem, wenn man selbst schon im Heiabettchen liegt.

Das Armband habe ich nicht wieder gefunden, doch habe ich eine Nachricht in der vorherigen Alberge hinterlassen, vielleicht geschieht ja ein Wunder und jemand findet es und meldet sich sogar bei mir. Wer weiß, was der Weg noch so bringt.

Der heutige Tag war eher öde, weshalb es auch nicht viele Bilder gibt, die ich nachtrage. Ich sitze gerade tatsächlich an einem IBM-Rechner mit Floppy-Laufwerk ohne USB-Anschluss! Ja, ehrlich!

Ich habe heute einen schönen Sonnenaufgang gesehen, da ich die Herberge schon um halb 8 verlassen habe, doch zog der Himmel danach noch weiter zu. Es war heute den ersten Tag wirklich kalt und meine ganzen warmen Klamotten befinden sich gerade im Wäschetrockner. Auch war dies der erste Tag, an dem ich vor einer Herberge auf den Einlass warten musste, doch so konnte ich mir das beste Bett aussuchen und vor allem den letzten Schluck warmen Wassers in der Dusche genießen. Die nachfolgenden Duscher schrieen vor Kälte. Zwei Gläser guten Rioja Weins haben mich dann aber schnell wieder aufgewärmt.

Ein wenig nervt diese Siesta der Geschäfte, ich kann noch nicht einkaufen, habe aber bald Hunger. Wird heute wohl ne Flasche Wein und leckeren Käse zum Abendessen geben. Ich traue mich einfach nicht mehr an die Pilger-Menüs, auch wenn meine Freunde aus London mir gerade mitteilten, dass sie bisher immer Glück hatten, gestern z.B. Lachs. Irgendwie ist mir das Glück nicht so recht hold, was das Essen anbelangt.

Bezüglich Glück und so: Der blöde Hahn hat ja gestern nicht gekräht, als ich in der Kirche war. Dafür hat sein Wechsel-Kollege bei uns in der Herberge heute morgen vier mal gekräht, als ich meine Wäsche aus dem Hof geholt habe. So! Ha!!!

Nun ja, ich werde übermorgen den Bus von Burgos nach León nehmen und damit rund 170 km überbrücken. Leider wird mir der fiese O Cebreiro nicht erspart, aber es hat ja auch niemand gesagt, dass dieser Weg leicht werden würde.

Ein tolles Mantra habe ich in der österreichischen Herberge an der Wand gelesen: „Der Schmerz ist auch ein Begleiter!“ – das passt täglich so ab Kilometer 19, wenn ich nicht mehr als 25 vorhabe und strategische Pausen einlege.

Ihr Lieben, ich wünsche euch was. Beste Grüße und liebe Umarmungen aus Belorado!

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