Kommentare 7

11.& 12. Tag laufend, Ag├ęs & Burgos

Ages

Kaum zu glauben, aber der Abend nach der kalten Dusche wurde noch unbeschreiblich nett. Ich habe ihn komplett mit Maureen und Richard, dem netten Paar aus London verbracht, ausserdem mit Andr├ę und Ren├ę aus Frankreich, Norman aus Kanada und Alessio aus Italien. Es war ein ├Ąu├čerst feuchtfr├Âhlicher Abend, doch so nett, wie ich es mir das ganze Jahr vorgestellt und die vergangenen Tage gew├╝nscht habe. Eine Gemeinsamkeit haben wir alle, denn wir sind den Tag ├╝ber alle die gleiche Strecke gelaufen, haben ├Ąhnliche K├Ąmpfe ausgetragen und nahezu Identisches erlebt.

Das schwei├čt so unglaublich zusammen, dass es fast schon r├╝hrend ist. Jede Menge Wein, endlich einmal ein wunderbares Pilgermen├╝ (mal abgesehen von der Ente in Puente la Reina) und so wunderbar liebe Menschen.

Ich bin am n├Ąchsten Morgen wahrscheinlich als erste aus Belorado gestartet, mit Pilgerstab und Taschenlampe in der Hand und habe es vollends genossen, alleine unterwegs zu sein. Die absolute Stille war ergreifend, keine Fu├čspuren im Schlamm vor mir, der Sonnenaufgang ganz f├╝r mich alleine. Im n├Ąchsten Dorf haben wir uns nat├╝rlich, wie von Zauberhand gesteuert, zum Kaffee trinken alle wieder getroffen, sind nach dem Getr├Ąnk aber wieder jeder f├╝r sich auseinander gegangen. Jeder von uns geht sein eigenes Tempo, seinen eigenen Weg und doch finden wir am Ende des Tages alle wieder zusammen. Das ist ein so tolles Gef├╝hl, der Einsamkeit aber doch der Gemeinsamkeit.

Der Tag war ein ganz wundervoller so alleine, bis auf das letzte St├╝ck des Weges hat es nicht geregnet, ich habe wirklich absolute Stille erlebt, Herausforderungen und bequeme Wege und hatte ein ausgezeichnetes Fr├╝hst├╝ck auf einem Kirchen-Vorplatz.

Nur das Teilst├╝ck der Brandschneise vor San Juan de Ortega war mehr als langweilig. Knapp 5 km hing es nur gerade dahin, keine einzige Abwechslung. In San Juan habe ich dann noch eine kleine Pause eingelegt, Rafael (einer der Spanier, mit dem L und ich gelaufen sind) hatte mir gesagt, ich soll ihn anrufen, wenn ich da bin, auf dass er mich abholt – doch ich habe auch die letzten 3.7 km hinter mich gebracht, dann zwar im Regen, doch es war eine echt sch├Âne Strecke.

Ich war die Erste in seiner Herberge, wurde sehr herzlich begr├╝├čt und auch schnell mit Bier versorgt und habe mich nach einer tollen he├╝en Dusche schnell wohl gefuehlt. Schnell trafen auch bekannte Gesichter ein, doch Andr├ę und Alessio, f├╝r die ich sogar eine Botschaft auf dem Weg hinterlassen habe, kamen und kamen nicht. Ich habe dann von Maureen und Richard erfahren, dass die beiden sich verlaufen und 10 km extra gegangen sind.

Heute morgen bin ich recht fr├╝h abgehauen, diesmal aber nach einem ausgiebigen spanischen Fr├╝hst├╝ck (Kekse und Kaffee) und habe den wohl sch├Ânsten Tag bisher erlebt. Der Weg wurde mir kurzfristig versperrt, doch auch mit diesem Tierchen kam ich schnell klar.

Auf halber Strecke (im ersten Caf├ę) habe ich Pause gemacht, und auf einmal trafen alle bekannten und gemochten Gesichter ein. Jos├ę Manuel, Andr├ę, Laurent, Alessio und die anderen. Auch diesmal haben sich unsere Wege schnell getrennt, da einfach jeder f├╝r sich gehen mag und wir alle so furchtbar unterschiedliche Lauftempi haben.

Nach Burgos hinein gibt es zwei Wege, eine sch├Ânen und einen h├Ąsslichen. Wir haben uns alle f├╝r den Sch├Ânen entschieden, bei mir stellte sich aber heraus, dass ich wohl auf dem sch├Ânen gestartet und auf dem h├Ąsslichen geendet bin. Wie auch immer ich das geschafft habe…

Gerade war ich mit Andr├ę, Norman, Laurent und Patrick die Stadt erkunden, „leider“ wurden daraus schnell 4 Gl├Ąser Wein und es stellte sich heraus, dass Andr├ę Mathe-Lehrer war. Hat ihn dann schnell in meiner Meinung fallen lassen. ­čśë

Ich werde gleich ein ausgezeichnetes letztes Essen mir den Franzosen, Kanadiern und dem Italienier haben und morgen in den Bus nach L├ęon steigen, mir die Stadt ansehen und dann weiter nach Astorga fahren. Von dort geht es dann am Mittwoch weiter.

Ich hab euch alle lieb.

Immer den Pfeilen nach

Im ├ťbrigen ist es seit gestern schweinekalt, tags├╝ber hatten wir heute 9 Grad trotz Sonne… Handschuhe, Schal und M├╝tze sind Pflicht!

Sharing is caring!

Schreibe einen Kommentar zu Jutta Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

7 Kommentare

  1. M + D sagt

    Ola ! Die Halbzeit naht und die Busfahrt hast Du Dir mehr als redlich verdient. Nach diesem Tag werden die bevorstehenden Berge ihr fieses Image abgelegt haben. Besinne Dich nur auf die Sch├Ânheit der Natur und Deiner pers├Ânl. Umgebung und Du wirst sovieles leichter bew├Ąltigen. Das sollte der Unterschied zum Alltag sein. Laufe und K├Ąmpfe f├╝r Dein Ziel – Dein ganz pers├Ânliches Ziel, dem Du mit jedem Schritt n├Ąher kommst. Dem Pfeil nach, der Nase oder ganz einfach ans Ende Welt. Du hast Dir heute schon sehr viel Respekt verdient. Du schaffst es!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! M +D

  2. Anna* sagt

    Hallo du Liebe,

    bin gestern auf deinen wundervollen Blog gesto├čen und habe bereits den gr├Â├čten Teil deiner Berichte gelesen. Ich liebe deine humorvolle Art zu schreiben! Die Menschen an deinem pers├Ânlichen Camino teilhaben zu lassen, ist ein kostbares Geschenk – und ich danke dir von Herzen daf├╝r!

    F├╝hl dich begleitet und gest├Ąrkt von all den Menschen, die du durch deinen Blog mit auf den Camino nimmst…

    Ultreia, Denise!!
    Anna (die den Camino franc├ęs im April 2011 mit ihrem Lebensgef├Ąhrten pilgern wird)

  3. Pingback: Der Camino und seine Begegnungen | Jakobsweg Blog