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16. Tag laufend, Villafranca del Bierzo

Villafranca del Bierzo

Was für ein beschissener Tag! So, das musste raus.

Dieser Artikel wird leider mit wenigen Bildern stattfinden, ich habe hier zwar kostenlosen Zugang zum Internet, aber ich habe heute nicht wirklich tolle Bilder gemacht. Habe mich von Ponferrada aus knapp 27km bis nach Villafranca del Bierzo geschleppt, bin dabei mehr gehumpelt, gestolpert und gekrochen als gelaufen. Meine Knie haben sehr weh getan, meine Füße haben gekrampft und ich habe schon 2 Blasen vermutet. Die Blasen haben sich nicht bestätigt, der Rest tut halt weh.

Ich habe mich nun mit Arnika-Salbe eingedeckt und creme fleissig ein, mal sehen wie das morgen wird. Ist aber nicht der Geruch, der mir hier seit Tagen in der Nase steht von den Cremes der anderen Pilger. Muss mal erfragen, was die nehmen.

Was für morgen, für den ‚El Krepiero‘ Hoffnung macht, ist, dass die Schmerzen bergauf nicht wirklich zu spüren sind, bergab is halt doof.

Auf halber Strecke hat mit ein autofahrender Mensch einen Flyer für eine Herberge zugesteckt, in der er arbeitet, die auch nicht in meinem Buch stand. Die müssen hier echt Werbung mit allen Mitteln machen.

Bin nun in eben dieser Herberge untergekommen und habe nach der letzten Nacht (soll mal einer sagen, Frauen schnarchen nicht) echt mal Ruhe in einem Zimmer für mich benötigt. Ist nun Doppel als Einzel geworden und auch dementsprechend teuer, aber manchmal muss man sich auf dem Weg auch mal was gönnen. Dafür hatte ich ne Hydromassage-Dusche, seit Tagen endlich mal wieder heiß – so mit Düsen an der Wand und so. Ich glaube, ich hab Wasser für 3 verbraucht, aber bei dem Preis soll mal keiner meckern.

Ich weiß nicht, wann ich euch wieder etwas schreiben kann, wahrscheinlich erst in Galicien, denn auf dem Berg gibt es kein Internet und ich werde mindestens eine Nacht dort verbringen. Der Schmerz hat mich heut auf jedenfall sehr poetisch werden lassen, vieles davon war sehr konfus, aber wie auch immer.

Ich laufe und laufe und laufe und am Ende geht es immer nur um das Weiterlaufen. Das Stehenbleiben zeigt den Schmerz und das neu Anfangen ist schwieriger als unter Schmerzen weiter zu laufen. Santiago zieht nach mir und wenn ich stehenbleibe, lasse ich diese unsichtbare Schnur los. Diese dann wieder zu greifen und weiterzulaufen ist so schwierig manchmal. Daher: nur strategische Pausen, und sonst weiter, immer weiter.

Go Pilgrim, go, but slow!

Ich laufe und laufe und laufe euch allen wieder entgegen. Ich laufe dem Wiedersehen mit meinen Freunden entgegen, doch laufe ich ihnen ja irgendwie auch weg, da sie sich knapp eine Woche hinter mir befinden. Irgendwie ist das verwirrend.

Hier setzt das Gehirn oft aus, oft macht es Sprünge, manchmal weiß ich nicht, was ich den ganzen letzten Kilometer gemacht oder gedacht habe.

 

Am Ende geht es nur ums Weiterlaufen…

 

Noch 170km!

 

Machtet joht!

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7 Kommentare

  1. Hedwig sagt

    Hallo Denise!

    Jedenfalls ist deine name so auf dem Santiago Forum. Gut zu lesen dass Du schon so weit bist!
    Und das es heute mahl nicht so gut geht… Das kann mahl so sein. Aber Santiago un der Apostel wartet auf Dir! Also morgen wieder laufen Denise!
    Wunsche dir noch schone tagen! Und geniess!! Ich werde deine Camino folgen!
    Buen Camino Denise!
    Gruessen aus Holland!

  2. Klaus Jendrysek sagt

    Ach Kleine,

    werd dich wohl pflegen (müssen) dürfen, wenn du wieder hier bist.
    Die letzten 170 schaffst du auch noch.
    Also, ich glaub an dich!!!!!

    Klaus

  3. skek07 sagt

    Kopf hoch Denis !
    Schlechte Tage gehören halt auch dazu. Bessere werden mit Sicherheit folgen. 🙂
    Eigentlich wollte ich dir für morgen zum Camino duro raten, er ist nach einer anstrengenden ersten halben Stunde wirklich wunderschön, aber wenn du Schwierigkeiten mit dem Knie hast dann kann ich das nicht. Der Abstieg am Ende des Duro nach Trabadelo hinunter ist nämlich ziemlich steil und steinig.
    Ich drück dir die Daumen, dass es morgen wieder besser geht.
    Du kannst ja auch die lange Etappe vielleicht ein wenig verkürzen. Die die vom schwäbischen Jakobsverein geführte Herberge in La Faba habe ich in guter Erinnerung und wäre durchaus eine kürzere Alternative.
    Und früh morgens zum O Cebreiro hoch zu laufen war sehr schön.
    Ich wünsche dir für die kommende Etappe schönes Wetter, damit du auch die schönen Aussichten genießen kannst und für deinen restlichen Weg weiterhin einen buen Camino.

    Liebe Grüße
    Thomas

    • Wie lustig, habe mich tatsächlich gegen den Duro entschieden und bin lieber die schreckliche Kerkeling-Strecke gelaufen und bin nun auch bei den Schwaben untergekommen. War so geplant und war eine tolle Entscheidung. Hoffe auf keinen Regen morgen oder heut nacht für die letzten 5km zum Oh Kriepero hoch… Danke für Deine Wünsche und Grüße!

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