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17. & 18. Tag laufend, La Faba und Triacastela

Triacastella

Der Weg von Villafranca del Bierzo nach La Faba war ├Âde und langweilig. Es gab zwei M├Âglichkeiten, einen sch├Ânen, aber anstrengenden Weg und einen k├╝rzeren und ├Âden Weg. Musste mich aus R├╝cksicht auf mein Knie f├╝r zweiteren entscheiden und bin so die Kerkeling-Strecke der Landstra├če und Autobahn entlang gegangen. Das so ziemlich den ganzen lieben langen Lauftag. So ergaben sich zwar einige M├Âglichkeiten, um Nachrichten zu hinterlassen, aber wirklich angenehm war es nicht, neben dem manchmal doch recht starken Verkehr zu laufen.

Zwar ist seit Kerkeling eine Abtrennung zur Stra├če f├╝r die Pilger aufgebaut worden, doch besser hat es das nicht wirklich gemacht. Die kleinen D├Ârfer, durch die es teilweise ging, waren da eine echt nette Abwechslung, vor allem die Bar, in der ich erstmal einen fair gehandelten (!) Kaffee trinken konnte. Habe dann Timo aus K├Âln (BVB-Fan und keine Ziege) kennengelernt und bin ein paar Kilometer mit ihm gelaufen. Er hatte gerade seinen zweiten Tag, dementsprechend haben seine Beine sich auch eher wie Pudding angef├╝hlt. Wie sch├Ân, dass diese Zeit schon hinter mir liegt.

Da er aber weiter als ich gehen wollte, haben wir uns bald getrennt und ich habe mich alleine die letzten Kilometer auf den Oh Kriepero nach La Faba hochgequ├Ąlt. Ich hatte von vornherein nicht vor, den gesamten Aufstieg an einem Tag zu machen, habe mich daher in der ├Ąu├čerst netten schw├Ąbischen Herberge 5 km unter der Passh├Âhe einquartiert. In der Bar mussten dann erst einmal Ankommensbiere her und mir wurde auf meine Bitte hin sogar die ARD im TV eingeschaltet, sodass ich zumindest die erste Halbzeit der Bundesliga im Videotext verfolgen konnte. War irgendwie ein r├╝hrendes Bild, wie diese drei spanischen alten Damen mit mir Tim M├Ąlzer und irgendeine Doku ├╝ber das „kulinarische“ Amerika geguckt haben. Fr├╝h im Bett und dank Oropax einen au├čerordentlich guten Schlaf unter deutschen Bundeswehr-Decken gehabt.

Am Abend habe ich noch Katherina aus Deutschland in der Herberge kennengelernt, die sogar ein schw├Ąbisches Lied gesungen und eine eigene Strophe gedichtet hat. Laut unserem Reisef├╝hrer w├╝rde einem dann n├Ąmlich die Bezahlung erlassen. Was in unserem B├╝chlein allerdings nicht stand ist die Vorgabe, dass man auch ein schw├Ąbisches Landeskind daf├╝r sein muss.

Heute morgen wurden wir dann um Punkt 7 Uhr halbwegs aus den Betten gepr├╝gelt, ich war Gott sei Dank schon wach, das w├Ąre meiner Laune nicht sonderlich zutr├Ąglichlich gewesen. Die Wettervorhersage war f├╝r den Sonntag nicht sonderlich gut, also hatte ich mich mit Regenjacke, dicken Klamotten und Gamaschen schon auf den letzten Aufstieg und den damit h├Âchsten Punkt des galicischen Caminos vorbereitet und es sollte mir wirklich helfen. Hatte mich mit Katherina f├╝r das erste Caf├ę verabredet, habe dort aber eine knappe Stunde auf sie gewartet. Da sie nicht kam, wird sie wohl die Regentage in der schw├Ąbischen Unterkunft ausharren.

Bis zum O Cebreiro (Oh Kriepero) habe ich mich dann am fr├╝hen Morgen halbwegs hochgeschleppt, leider war mir weder eine gute Aussicht verg├Ânnt noch ein Blick auf den ber├╝hmten Grenzstein zwischen der Provinz Leon und Kastillien und Galicien, da ich mich f├╝r eine falsche Strecke entschieden hatte. Auf der Passh├Âhe schlugen mir dann unglaublicher Nebel, Regen und Sturm entgegen, was aber eigentlich nichts ausmachte. Ab dort bis Triacastella, was etwa 25 km entfernt lag, bin ich in str├Âmendem Regen gelaufen – und es war toll. Meine F├╝├če blieben trocken, ich wusste, dass dem Inneren meines Rucksacks nichts passieren w├╝rde, und ich habe nur gelacht.

Ich habe lauthals gelacht, gesungen und hatte den geilsten Lauftag der vergangenen 2 1/2 Wochen. Das ist eigentlich total bescheuert, denn ich hatte schon sch├Ânere Aussichten (hier nur Nebel – etwa 1 m Sichtweite), hatte w├Ąrmeres Wetter, hatte sch├Ânere Strecken. Aber es war toll. Ich hatte einen so furchtbar tollen Tag, dass mir die 28 km ├╝ber den Pass, ├╝ber schlimme Anstiege, ├╝ber fiese Rutschpartien bergab nichts anhaben konnten. Zwischendurch hab ich mal ein Glas Rotwein zum Aufw├Ąrmen ben├Âtigt (ich gew├Âhne mich einfach nicht an die Trinktemperatur der Spanier von Rotwein) und dann gings weiter. Und man ├╝berlegt sich manchmal auch, ob man die 5 Schritte um die Pf├╝tze herum in Kauf nimmt oder doch lieber geradeaus durch watet.

Meine F├╝├če sind bis 500 m vor der Herberge trocken geblieben, da wurden sie dann eher in einen Pool getaucht. Da ich Handy und Kamera wasserdicht verpacken musste, gibts leider auch wenige Bilder vom Tag, sitze hier eh wieder an nem hornalten PC, der keinen USB-Anschluss hat. Meinen Reisef├╝hrer und Pilgerausweis musste ich ebenfalls verpacken, sodass ich bei den ganzen kleinen Siedlungen, durch die ich kam, gar nicht wusste, wo ich war. Ob dieser Ort, vor dem ich nun stehe, wirklich Triacastella ist oder immer noch ein Dorf davor – keine Ahnung.

Aber so viele Herbergen – das musste Triacastella sein. Und tats├Ąchlich: Eine hei├če Dusche, Waschmaschine und Trockner, ein Einzelbett aus Holz (nicht quietschend) und drei Gl├Ąser Wein sp├Ąter sitze ich nun hier am PC, kann kostenlos ins Internet und freue mich auf morgen. Da geht es nach Sarria, das wird eine kurze Strecke, aber kurz danach kommt der ber├╝hmt-ber├╝chtigte 100 km-Stein, und der will nat├╝rlich mit einem frischen Lauftag geb├╝hrend gefeiert werden.

Was es aber Neues gibt: Ich habe meine Pl├Ąne f├╝r das Ende meines Caminos heute Nacht komplett umgeworfen. Ich werde nicht nach Finisterre mit dem Bus fahren. Ich werde n├Ąchsten Samstag oder Sonntag in Santiago de Compostela ankommen. Werde ankommen. Will ankommen. Ankommen.

In die Messe gehen. Mir meine Compostela holen. Ivar besuchen. Und dringende Eink├Ąufe (f├╝r alle, die Kerkeling gelesen haben: 3 Gl├Âckchen) t├Ątigen. Am Montag werde ich aber mit dem Bus zur├╝ck dorthin fahren, wo ich mich gerade befinde: nach Triacastella.

Hier werde ich Andr├ę und Alessio wieder treffen, drei Tage mit ihnen verbringen und weiterlaufen und dann am Donnerstag nachmittag mit dem Bus zur├╝ck nach Santiago fahren. Dort verbringe ich dann eine Nacht und fahre am Morgen dann zum Flughafen.

Es war so wundervoll, als ich noch mit den anderen unterwegs war, tags├╝ber alleine zu laufen, jeder geht sein eigenes Tempo, seinen eigenen Camino, und doch finden abends immer wieder alle zusammen. Diese drei Tage mit Andr├ę und Alessio werden der Abend meines Caminos sein. Und ich freue mich so sehr darauf. Die beiden wieder zu sehen bedeutet mir soviel mehr als der Weg nach Finisterre.

Die Meseta, die ich mit dem Bus ├╝berbr├╝ckt habe, muss ich ja eh noch einmal nachholen. Dann kann ich da auch Finisterre nachholen!

Seid gegr├╝├čt, ihr Nicht-Laufenden und Laufenden. F├╝hlt euch gedr├╝ckt, gek├╝sst und geliebt.

Eure

Heidi von der Alm.

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3 Kommentare

  1. Jutta sagt

    Sch├Ân,dass sich das Lauf-Blatt seit vorgestern so gewendet hat!
    Weiterhin alles Liebe!

  2. skek07 sagt

    Deine heutige Etappe hat mich stark an meine eigene Etappe nach Carri├│n de los Condes erinnert.
    Weil wir schon am Vortag aufgrund des Regens Unmengen von Lehm umgeschichtet haben sind wir fast 20 km entlang der Strasse auf einer „Pilgerautobahn“ gelaufen. Es hat nur geregnet, es war kalt und der Wind blies in B├Âen von der Seite in meinen Poncho. Und ich stecke darunter, war trocken und f├╝hle mich einfach nur sauwohl, h├Ârte dem Regen zu wie er gegen meinen Ponco prasselte und dabei meine Gedanken auf Reisen schickte. Ich kann es auch nicht wirklich jemandem erkl├Ąren warum, aber es war eine der sch├Ânsten Etappen meines Caminos.
    Ich w├╝nsche dir weiterhin noch mehr von diesen seltsamen? ungew├Âhnlichen? magischen?Momenten.
    Buen Camino
    Thomas

  3. Hedwig sagt

    Hallo Denise,

    Es geht dir wieder gut! Und wie!!! Gesungen und gelachen unterwegs! Und das allem im regen!
    Fantastisch! Geniess noch Denise!

    Liebe gruesse aus Holland