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25. Tag laufend, Santiago de Compostela

Jakobsweg: Santiago de Compostela

Am n├Ąchsten Morgen begr├╝├čte mich Santiago ganz wunderbar, zumindest anf├Ąnglich, denn es stand ein riesiger Regenbogen ├╝ber der Stadt.┬á Mein Bein schmerzte immer noch und ich hatte vor den letzten 4 km meines Weges ein wenig Furcht. Ich wollte nicht ankommen. Ich wollte nicht, dass es vorbei ist. Ich wollte nicht am Ende sein.

Aber auch dieses St├╝ck musste ja gegangen werden, es half nichts. F├╝r die Strecke h├Ątte ich eigentlich nicht l├Ąnger als eine Stunde brauchen m├╝ssen, ich habe aber 2 ben├Âtigt.

In der Stadt habe ich den Weg verloren (das erste Mal auf bis dahin 550 km), sah keine Pfeile mehr und keine Muscheln. Als man mir dann mitteilte, dass die Kathedrale nur um die n├Ąchste Ecke war, war ich echt ├╝berfordert. Das ging so schnell. Zu schnell. Ich habe mich nicht vorbereitet. Aber wie konnte man sich denn auf so einen Moment vorbereiten? Und nun stand ich da. Und mit mir Massen an Menschen. Nicht nur, dass der Papst eine Woche nach mir in Santiago de Compostela auftauchen w├╝rde und die Security schon mal eine Woche vorher an jeder Ecke stand, zudem startete auch noch ein Marathon in dem Moment, als ich in die Stadt kam. Und vor jedem Eingang der Kathedrale standen Menschenmengen in Schlangen. Nun stand ich auf dem Vorplatz. Perplex, ├╝berfordert, allein, verloren. Und konnte nur weinen. Da war ich. Es war vorbei. Ich war am offiziellen Ziel angelangt. Aber war das auch MEIN Ziel?

Als ich dann ein bekanntes Gesicht sah, dass mich begl├╝ckw├╝nschte und mir Gott sei Dank sagte, was ich tun musste (mein Kopf war so leer), bin ich ins Pilgerb├╝ro, die Treppen rauf. Wie viele Menschen sind diese Treppen schon vor mir hoch? Ich setze meinen nassen Rucksack ab, hole meine Papiere, k├Ąmpfe ununterbrochen mit den Tr├Ąnen, betrete das B├╝ro und sehe auf einmal… Catherine! Das war dann auch alles, was ich sagen konnte, sie fiel mir um den Hals, ich fing an zu hyperventilieren und war so froh, ein nettes, bekanntes Gesicht zu sehen in diesem Moment. Sie war am Tag vorher angekommen, doch hatte man ein falsches Datum in ihre Compostela gedruckt. So ist sie an diesem Tag nochmal zur├╝ck und nur dadurch habe ich sie getroffen. Was f├╝r ein Gl├╝ck. was f├╝r ein gro├čes Gl├╝ck! Sie musste dann aber auch los, meinte aber, wir w├╝rden uns sicherlich noch sehen, so gro├č w├Ąre das alles hier nicht.

Nun gut, also stelle ich mich an, lege meine 2 P├Ąsse hin, werde gefragt, ob ich den Weg wirklich zu Fu├č zur├╝ck gelegt habe, antworte wahrheitsgem├Ą├č und bekomme ohne TamTam meine Compostela ├╝berreicht. Und schwubs bin ich auch schon abgefertigt und wieder raus. Aber wohin jetzt? Keine Herberge. Keine Menschen. Ein Hotel muss her. Und bitte nicht zu teuer. Dann finde ich tats├Ąchlich eins, das nur den halben Preis von den Wucher-Preisen am Monte de Gozo kostet und muss erstmal weinen. Allein. Alles raus. Alles vorbei. 550km liegen hinter mir. Ich will nicht ankommen.

Und schon geht der Stress los. 12 Uhr ist die Pilgermesse, es ist 11 Uhr. Duschen, umziehen, zur├╝ck zur Kathedrale. Und…. anstehen. Im Regen. 20 Minuten im str├Âmenden Regen f├╝r die Messe anstehen, in der ich in der letzten Reihe stehe, beeindruckt bin von dem Bau und dem lauten Gesang aber weniger von der Atmosph├Ąre. Und mir wird schwarz vor Augen, ich muss mich hocken, habe keinen Platz und muss die Messe vorzeitig verlassen. Das Vater Unser habe ich noch mitbekommen, konnte es im Stillen auch auf Deutsch f├╝r mich beten, aber das wars dann auch schon mit dem, was ich mitbekommen und gef├╝hlt habe in dieser Messe. Also, erst einmal was essen.

Aber dieser Trubel, diese Massen, an jeder T├╝r bekommt man H├Ąppchen gereicht, auf dass man auch blo├č nicht ins Nachbar-Lokal gehen m├Âge. Ein Souvenir-Laden reiht sich an den n├Ąchsten. Kein Supermarkt, kein normaler Klamottenladen, nur Touri-Kack. Das ist mir zuviel. Ich will nur meine Ruhe, aber ich muss ja auch noch in die Krypta. Eigentlich habe ich keine Lust, aber ich wei├č, dass ich es bereuen werde, wenn ich es nicht mache. Also: wieder eine halbe Stunde anstellen, nachdem ich mir die Kathedrale noch einmal ‚in Ruhe‘ angesehen habe, um die Apostelfigur umarmen zu d├╝rfen und sein (angebliches) Grab zu sehen. Auch hier wird man nur hindurchgeschleust. Klar, irgendwie m├╝ssen sie ja auch mit dieser Menschenmenge klarkommen, aber 3 1/2 Wochen Ruhe und Langsamkeit ist das alles zuviel. Ich setze mich also in ein Caf├ę, genie├če die Ruhe und den Blick auf gesch├Ąftiges Treiben vor dem Fenster, von dem ich nichts h├Âre und an dem ich nicht teilnehmen muss und will. Zur├╝ck ins Hotel, noch ein wenig Wein, spanisches Fernsehen zum Einschlafen und dann ins Land der ruhigen Tr├Ąume…

Catherine habe ich im ├ťbrigen an diesem Tag nicht mehr gesehen.

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3 Kommentare

  1. shinto sagt

    Sch├Âner Bericht. Wieder ein Grund trotz allem nicht in Santiago ankommen zu m├╝ssen… +)

  2. Pingback: Der Camino ist wie das Leben |

  3. Pingback: Liebe auf dem Jakobsweg | Jakobsweg Blog