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Liebe auf dem Jakobsweg

Ihr Leser dieses Blogs kennt mich schon ein wenig – ihr habt mich auf meinen Jakobswegen begleitet, habt mir gelauscht, wenn ich von Cerveza, Matsch und Muskelschmerzen geschrieben habe und habt sicherlich ein wenig gel├Ąchelt und euch mit mir gefreut, wenn ich von all jenen Momenten erz├Ąhlt habe, die mich ber├╝hrt haben. Momente waren das, gro├če Augenblicke und kleine Unendlichkeiten; Menschen und Begegnungen, die mich verzaubert haben und mehr als nur ein kleiner Funken Liebe, der sich mir da auf dem Camino offenbart hat.

Camino Freundschaften: the Fab5Freundschaften, wunderbare Verbindungen habe ich auf allen Wegen kn├╝pfen d├╝rfen, die auch ├╝ber die Zeit des Pilgerns hinweg Bestand haben. Manchmal nur dank des Internets, aber dennoch – ich habe so wunderbare Erinnerungen an die Fab5 aus 2010 und all die anderen lustigen Kanadier, Spanier, Franzosen, Deutsche, Belgier, Niederl├Ąnder, Koreaner, US-Amerikaner, Briten, Skandinavier und Italiener, die mich auf meinem ersten Jakobsweg 2010 und auf den Teilstrecken 2011 und 2012 begleitet haben.

Ich bin dankbar f├╝r Freundschaften und jede Menge Liebe, die sich mir in den unterschiedlichsten Formen, in verschiedenen Sprachen und auf die kuriosesten Arten offenbart haben.

Es ist schon ein wenig komisch, was der Camino mit den Menschen macht, er ver├Ąndert sie, ver├Ąndert Gef├╝hle und ganze Welten. Sicher geglaubte Beziehungen schmelzen wie zarte Eiskristalle und Menschen, die nicht damit gerechnet oder gar nicht mehr daran geglaubt haben, finden hier Liebe und Gl├╝ck. Der Camino gibt Dir was Du brauchst – das sind oftmals kleine Dinge wie der Fund eines neuen Schn├╝rsenkels kurz nachdem der eigene zerrissen ist oder eine rettende Durstl├Âscher-Station, wenn der eigene Wasservorrat an einem hei├čen Tag gerade aufgebraucht ist. Manchmal sind es aber eben auch ganz gro├če Dinge. Manchmal sind es die Menschen, die man hier trifft, die man unbedingt treffen musste und auf die man irgendwie schon immer gewartet hat. Menschen, die einem f├╝r die eigene vertrackte Lage die Augen f├╝r den Ausweg ├Âffnen, die mit objektiver Sicht verworrene Gef├╝hle entwirren oder einem einfach mal einen notwendigen Tritt in den Allerwertesten verpassen. Und das, obwohl man sie gerade ein paar Stunden oder wenige Tage kennt, mit denen man aber doch schon so einige Kilometer zusammen hinter sich gebracht hat.

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Ich habe 2010 zwei ├Ąltere Damen kennengelernt, beide Ende 60 – die eine Kanadierin, die andere US-Amerikanerin. Sie seien seit knapp 50 Jahren befreundet und haben sich das auch trotz der Entfernung zu Hause ├╝ber die Zeit hinweg bewahrt, erz├Ąhlten sie mir an einem Abend beim gemeinsamen Abendessen in der Herberge. Und nun wollten sie gemeinsam den Camino gehen. Ich habe sie fast t├Ąglich gesehen, jede hatte das gleiche Tempo, selten sind sie nebeneinander gelaufen. Aber genau so ist es ja richtig. Jeder soll sein Tempo gehen, seinen Weg laufen, ohne sich durch Langsamkeit oder Schnelligkeit des Anderen beeinflusst zu f├╝hlen. In Santiago de Compostela angekommen ist das Gesicht der Kanadierin das erste bekannte, das ich unter Schmerzen sehe und sie zeigt mir den Weg ins Pilgerb├╝ro. Erst am n├Ąchsten Tag treffe ich sie wieder, als ich im Busbahnhof der Stadt auf meine Verbindung nach Lugo warte, um zur├╝ck zu den Fab5 zu fahren. Wir fr├╝hst├╝cken zusammen, da f├╝r uns beide die Wartezeit l├Ąnger als gedacht ist. Und auf einmal bricht sie in Tr├Ąnen aus, kann kaum sprechen. Sie h├Ątte sich mit ihrer Freundin ├╝berworfen, so sehr, dass diese ihr die Freundschaft f├╝r immer gek├╝ndigt habe und sich alleine auf die R├╝ckreise gemacht hat. Eine fast 50-j├Ąhrige Freundschaft. Aus und vorbei. Zumindest sah es f├╝r den Moment so aus. Es hat mir das Herz zerrissen.

Ich habe noch oft an diese beiden Damen gedacht und hoffe so sehr, dass sie wieder zueinander gefunden haben. Ich wei├č es nicht. Nur, dass dieser Camino alles schaffen kann, eben auch Beziehungen zerst├Âren. Man ist den anderen Menschen dort sehr nahe, wenn man es denn zul├Ąsst. Auch jenen, mit denen man bewusst gestartet ist.

Jakobsweg2011_SJPdP22011 und 2012 bin ich mit sehr guten Freunden gestartet, in vollem Bewusstsein, dass diese Freundschaft sich durch den Camino ver├Ąndern kann. Wir haben im Vorfeld viel geredet, eben auch dar├╝ber und beschlossen, jedem in dieser Vierer-Kombo so viele Freiheiten wie m├Âglich zu geben. Und so hat es geklappt. Wunderbar sogar. Der eine ist jeden Morgen losgespurtet und hat entweder in Bars auf dem Weg oder am Zielort des Tages auf die anderen Drei gewartet. Und das war vollkommen in Ordnung so. Auch im Jahr darauf bin ich mit Freundschaft auf den Camino gestartet und auch wieder zur├╝ck gekommen. Wie wunderbar!

imageNach drei Jahren Abstinenz musste ich zur├╝ck, wieder auf den Weg. Wieder Freude und Schmerz sp├╝ren, eben alles, was mir der Weg geben kann. Ich bin alleine gestartet – nicht, dass ich keine Interessenten gehabt h├Ątte, wenn ich nur wirklich gefragt h├Ątte. Nein, ich wollte das f├╝r mich, alleine, durchatmen, mich frei machen. Und vielleicht war genau das ausschlaggebend f├╝r alles, was passieren sollte. Dass ich mit Klarina regelrecht zusammen sto├če und wir aneinander kleben bleiben, sollte ebenso geschehen, wie das Kennenlernen des verr├╝ckten Belgiers. Ich habe mit diesen beiden Menschen echte Herzensmenschen getroffen. Diese Begegnung, die gemeinsamen Erlebnisse, Schmerzen, Freuden und K├Ąmpfe waren unglaublich besonders und von verdammt viel Freundschaft und Liebe gepr├Ągt, wie ich nicht zu tr├Ąumen gewagt habe.

Ich wu├čte, dass dieser Camino besonders wird. Nicht besonderer als die anderen, aber eben besonders. Dass er dazu f├╝hrt, dass ich den weltbesten Mann kennenlerne, mit dem ich mein Leben verbringen werde und der mir in Rom einen Antrag machen w├╝rde – nein, das habe ich wirklich nicht erwartet!

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7 Kommentare

  1. Martina aus FFB sagt

    Na pr├Ąchtig. Alles gesagt und doch nix
    Da tropft mit doch immer der Zahn.

    Alles Liebe f├╝r euch.

    Martina

      • Martina aus FFB sagt

        Naja, man „kommt sich schon nah“, zumindest einseitig, wenn man Deinem Blog schon seit Jahren folgt. Und da ich eine Frau bin, nicht neugierig, neeeeiiiin, nur wi├čbegierig :-), und ich „Happy end“ sch├Ân finde – ist meine Wi├čbegierde da nat├╝rlich noch nicht voll gestillt mit so ein paar Appetith├Ąppchen – also tropft mir der Zahn.

        La├č Dich unbekannter Weise dr├╝cken und wie man bei uns sagt „Passt scho“.

        Liebe Gr├╝├če
        Martina

        • Denise sagt

          Der Ring an der linken Hand ist der Status quo, da gibt es noch gar nicht so viel mehr zu berichten.
          Sobald sich aber etwas ├Ąndert, erf├Ąhrst Du es! ­čśÇ ­čśÇ ­čśÇ

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