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Looking for infinity: El Camino

Looking for Infinity: El Camino

Bücher über den Camino de Santiago gibt es mittlerweile unzählige. Wenn man sich mal durch die Seiten der großen Buchhändler* klickt, bekommt man fast das Gefühl, dass jeder Pilger auch unbedingt ein Buch schreiben muss. Mit Sicherheit hat jede Niederschrift aufgrund von individuellen Erfahrungen seine Berechtigung, und wenn es nur eine Art Tagebuch ist – auf jeden Fall ist es wichtig für den Autor und Pilger, der hier seine Erlebnisse festgehalten hat. Ob diese jedoch unbedingt direkt als Buch herausgegeben werden müssen, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe einige Camino-Bücher im Vorfeld gelesen, jedoch sind es nur wenige, die mich beeindruckt haben oder mir zumindest im Gedächtnis geblieben sind. Mehr sind es aber Filme, die sehr einprägsam waren. Ohne Frage ist das in erster Linie Dein Weg – Vom Suchen und Finden auf dem Jakobsweg* von Emilio Estevez, den ich mir immer wieder ansehen kann und der mich jedes Mal aufs Neue berührt und bewegt. Etwas enttäuscht war ich von der Kerkeling-Verfilmung Ich bin dann mal weg* und sonst gibt es eigentlich keinen Film über den Camino, der mich so richtig beeindruckt hat. Ein paar wenige Youtube-Clips, klar. Bilder und Videos von Hobby- oder Profi-Filmern, die mich zurück gebracht haben auf den Weg. Wenn auch nur für einen kleinen Moment. Die mir mit tollen Bildern und Schnappschüssen einen Teil des Caminos geschenkt haben.

Vor wenigen Tagen wurde ich kontaktiert, ob ich nicht Lust hätte, mir in einer „privaten Online-Vorstellung“ den Film Looking for infinity: El Camino anzusehen und im Anschluss darüber zu berichten. Natürlich hatte ich Lust. Ich hatte noch nichts von diesem Werk gehört oder gelesen und als eine der Ersten einen neuen Jakobsweg-Film zu sehen? Aber hallo!

Dazu kam die wunderbare Gelegenheit, ihn nicht alleine sehen zu müssen, sondern mit den weltbesten Herzensmenschen. Die Leser meines Blogs wissen ziemlich genau, um wen es sich bei den Fab3 handelt, wer es nachlesen möchte, bitte hier entlang: Klick mich. 225 Tage nach der Verabschiedung in Santiago de Compostela waren die Fab3 also wieder vereint, konnten sich herzen, ein fantastisches Wochenende miteinander verbringen und eben gemeinsam diese kleine private Premiere genießen.

Looking for Infinity - Film Review

Der Film ist mal was anderes. So richtig. Die Kamera folgt hier nicht durchgängig dem Weg, den Pfeilen, Muscheln und Wegweisern – jene Zuschauer, die schon auf dem Jakobsweg waren, werden im Gegensatz zu anderen Camino-Filmen nicht immer erkennen, wo eine Szene gedreht wurde oder wo sich die Protagonisten überhaupt gerade aufhalten. Stecken sie noch ganz am Anfang und kämpfen sich durch die ersten Tage in den Pyrenäen? Laufen sie schon mitten durch die Rioja, haben die ersten Blasen und Muskelkrämpfe hinter sich? Man weiß das selten, erst am Schluss, auf dem Weg zum Ende der Welt, ans Meer werden Orte wirklich deutlich. Hier unterscheidet sich Looking for Infinity: El Camino eben von allen (?) anderen Filmen, die den Jakobsweg behandeln. Es geht nicht um einen Reisebericht, nicht um Blasen-Prävention, Packlisten und Hochbetten in den Herbergen. Dieser Film möchte kein Hochglanz-Prospekt sein, sondern persönliche Eindrücke, alternative Lebensweisen, Sichtweisen und Emotionen vorstellen. Der Film möchte nicht missionieren, es gibt keinen erhobenen Zeigefinger.

„Every step you take, is a step closer to freedom.“

In diesem Film geht es um Gefühle. Darum, was der Weg mit dem Pilger macht. Wie er ihn verändert. Wie er ihn berührt. Um positives und negatives. Und um die Menschen. Die Kamera hält einfach drauf. Ins Gesicht der Pilger. Wer den Camino schon einmal erlebt hat, sieht so viel in diesen Gesichtern, erkennt sich selbst und muss bei diesem unverstellten Blick unweigerlich nicken. Dieser Film ist ohne Frage äußerst subjektiv, aber da der Zuschauer die vorgestellten Personen nicht persönlich kennt, noch nicht einmal Namen erfährt, kommen individuelle Eindrücke und selbst Erlebtes wie eine Woge herauf.

Hier der Trailer

Bemerkenswert ist der Wechsel der Geschwindigkeiten während des gesamten Films. Die Erzählungen, Bilder und die Musik – die eine Szene wird durch schnelles, rythmisches Trommeln untermalt, die nächste wird von solch seichter und zarter Musik getragen. Eigentlich kann es nicht zusammen passen, ist es eben viel zu unterschiedlich. Aber doch ist das ganz wunderbar, da auch das die Seele des Caminos widerspiegelt: Es gibt Unterschiede, teilweise sogar ziemlich große. Aber oft kommen auf dem Jakobsweg Menschen zusammen, die eigentlich nicht zusammen passen, extrem unterschiedlich sind oder im Alltag wahrscheinlich gar nicht zusammen gekommen wären (da sind der Herzensmann und ich das beste Beispiel). Der Camino vereint. Über jegliche Grenzen hinweg.

Ich bin mir nicht sicher, wie dieser Film auf Zuschauer wirken mag, die den Camino (noch) nicht erlebt haben. Die nicht wissen, was dieser Weg verändern und bewirken kann. Diese Frage kann ich nicht beantworten, muss ich allerdings auch gar nicht. Was ich allerdings sagen kann, ist dass es ein wundervoller Film für Pilger ist und ein absoluter Must-see. Zwei Jahre Arbeit stecken in diesem Film, Looking for Infinity: El Camino wird diesen Sommer auf europäischen Filmfestivals gezeigt und erscheint im Anschluss auch bald auf DVD. Für den deutschen Markt wird es ebenfalls eine Version auf Deutsch geben.

 

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Posted by Looking For Infinity: El Camino on Donnerstag, 25. Februar 2016

 

Weitere Infos zum Film und dem aktuellen Stand findet Ihr auf der offiziellen Facebook-Seite des Films, aktuell wird dort eine private Premiere des Films unter allen Teilern verlost – die Verlosung läuft noch bis Donnerstag, also nichts wie ran!

Mehr Infos hier: www.caminomovie.com

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5 Kommentare

  1. Hallo Denise, schöner Artikel und macht Neugierig den Film zu schauen. Ich habe die beiden Filmemacher 2014 auf den Camino getroffen und filmte sie ebenfalls mit meiner mini actioncam. Hatte die gleiche Idee nur eine andere Umsetzung. Sicherlich werden in Zukunft noch einige Filme über den Camino gedreht werden. Der Camino hat hält viel zu erzählen. Besten Gruss Ulle

  2. Kerstin Rilk sagt

    Hallo Denise,
    ich werde in einigen Wochen meinen Wunsch erfüllen und den Camino Frances laufen. Dein Blog ist für mich eine Quelle guter Hinweise und Tipps. Und immer… sehr herzlich und anregend geschrieben.
    Dankeschön.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    • Denise sagt

      Hallo Kerstin,

      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! Ich freue mich sehr, wenn mein Blog ein wenig weiter hilft! Ich wünsche Dir einen wundervollen und großartigen Weg!

      Buen camino,
      Denise

  3. Hallo Denise,
    danke für Deine Film-Kritik. Konnte ich alles super nachvollziehen.
    Und natürlich toll, dass sich die Fab3 wieder getroffen haben.
    Was mich allerdings wundert, ist, dass Du schreibst, dass Dich kein Jakobsweg-Film wirklich begeistert hat.
    Hattest Du den Film „Pilgern auf Französisch“ nicht gesehen, denn den fand ich wirklich klasse. Er ist zwar schon über 10 Jahre alt, aber ich habe mich köstlich amüsiert. Vor allem, weil er sämtliche Klischees bedient.
    Im Kino läuft der zwar nicht mehr, aber dafür gibt es ihn hier: Amazon

    Herzliche Pilgergrüsse aus München
    Christina

    • Denise sagt

      Hallo Christina,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich habe nirgends geschrieben, dass mich kein Camino-Film begeistert hat, nur dass mich neben dem beeindruckenden „The Way“ keiner wirklich berührt hat. „Pilgern auf Französisch“ ist sicherlich ein netter Film, schön besetzt und absolut unterhaltsam aber berührend? Nicht wirklich.

      Viele Grüße & buen camino
      Denise

      P.s.: Affiliate-Links in fremden Blogs setzen: ehrlich?