Schreibe einen Kommentar

St. Jean Pied de Port

Die Nacht war der Hammer. Also wenn jemand gut feiern kann, dann anscheinend echt die Spanier. Als die letzten Pilger (also wir) ins Bett gingen, startete drau├čen erst die Sause inklusive Parade mit gesch├Ątzten 300 Trommeln. Hat mich nicht sonderlich gest├Ârt oder vom Schlaf abgehalten, doch jedes Mal, wenn ich des Nachts aufwachte, war der Ger├Ąuschpegel auf der Stra├če nicht gesunken. Die haben scheinbar echt die gesamte Nacht durchgefeiert.

├ähnlich meinem Morgen in Burgos im vergangenen Jahr (hatte ja von hier den Bus nach Astorga genommen), konnten wir uns Zeit nehmen, um exakt eine Minute vor T├╝rschlie├čung der Albergue um 8 Uhr das Haus zu verlassen. Der Anblick, der sich uns allerdings hier bot, kann wohl selbst den Rosenmontag in K├Âln ├╝bertreffen. Glas ├╝ber Glas auf dem Boden, sodass Andre doch nicht in Schlappen raus konnte. Eine Alkoholwolke hing ├╝ber der Stadt und in mancher Ecke roch es doch verd├Ąchtig nach zu wenig vorhanden Toiletten. Die Reinigungsteams zeigten sich hier aber als ├Ąu├čerst effizient, eine regelrechte Waschanlage zog ├╝ber die Stadt, M├╝ll musste dem Wasser weichen, schlafende Fast-Alkoholleichen sa├čen vor unserem Fr├╝hst├╝ckscafe. Eine nette S├╝dschwedin haben wir hier kennengelernt, die aufgrund von Knieproblemen schon drei 2-Tagespausen einlegen musste, allerdings vorhat, es bis Santiago de Compostela zu schaffen. Nach einem f├╝r Spanien ├╝berraschend tollen Fr├╝hst├╝ck, besuchten wir noch die eindrucksvolle Kathedrale und anschlie├čend zogen die vier Muskeltiere in Turnschuhen und Crocs, aber mit vollem Gep├Ąck duch Burgos Richtung Busstation, wahrscheinlich ein ulkiges Bild, be├Ąugt wurden wir zumindest.

Der Bus brachte uns mit Klimaanlage zum Bahnhof (20 Minuten Fahrt, 4 Personen, 3,40ÔéČ insgesamt – da k├Ânnte sich die Rheinbahn mal ein Beispiel dran nehmen), 2 Stunden vor Zugabfahrt um 15 Uhr angekommen, ab zum Ticketschalter und dann das b├Âse Wort: Completo! Der Zug war ausgebucht. Caroline, die wir den ganzen Tag schon zu erreichen versuchen, w├╝rde umsonst am Bahnhof in Pamplona auf uns warten. Und wie kommen wir jetzt nach St. Jean Pied de Port, wo ja unser Auto steht und auch eine Reservierung in der Herberge der ersten Nacht vorlag? Ein anderer Zug ging um 17 Uhr, aber wenn wir doch Caroline nicht erreichen, wie sollen wir dann ├╝ber die Pyren├Ąen kommen? Manu hat im anliegenden Cafe nachgefragt, ob die jemanden kennen, der uns fahren w├╝rde, doch war diese Dame auch nur f├╝r die Festwoche da. Allerdings sprach sie Englisch und half uns dabei, den Taxipreis nach Pamplona zu erfragen: 270ÔéČ! Also nochmal zum Ticketschalter und in gebrochenem Spanisch erfragt, ob es einen Zug g├Ąbe, der n├Ąher an SJPdP f├Ąhrt, als Pamplona, wovon Andre ausging. Und tats├Ąchlich: um 17 Uhr ein Zug nach Hendaye, die erste Stadt auf franz├Âsischer Seite ganz im Norden der Grenze zu Spanien. Da der Hospitalero unserer Herberge in SJPdP auch gleichzeitig Taxifahrer ist, haben wir ihn gebeten, uns dort abzuholen. Hat sich also doch noch alles gekl├Ąrt.

Im Bahnhof haben wir uns dann vier Stunden lang wie Tom Hanks in ‚Terminal‘ gef├╝hlt, aber immerhin war er gut gek├╝hlt bei ├╝ber 40 Grad Au├čentemperatur.
Irgendwann schlug die Uhr dann auch 5, der Zug fuhr ein und…. Klimaanlage kaputt. Da ist das Klimaproblem in deutschen ICE nichts gegen das, was wir in diesem Zug erlebt haben. Nicht nur, dass keine kalte Luft in unser Abteil geleitet wurde, es wurde gar keine Luft hineingeleitet, sodass wir vor jeder Station dem Erstickungstod nahe waren. Der im Bord-TV (!) gezeigt Film lenkte zumindest mich ein wenig von der nicht vorhandenen Atemluft ab, bis wir feststellten, dass im angrenzenden Abteil (die Tickets hierf├╝r sind i├ť g├╝nstiger) die Klima funktionierte. Wenn die Menschen hier, die sich dennoch mit F├Ąchern Luft zuf├Ąchelten, gewu├čt h├Ątten, wie es uns ging… Gott sei Dank hatte Chris seine Pflaster doch nicht verschenkt, wie er es eigentlich vorhatte, sodass wir die Lichtschranke zumindest bis zum Bemerken durch Bahnmitarbeiter abkleben und den ein oder anderen Luftzug genie├čen konnten.

Jakobsweg2011_SJPdP1

Irgendwann ist dann aber auch die schlimmste Bahnfahrt vorbei, zwei Minuten nach unserer Ankunft trudelte unser Herbergs-Taxifahrer Guillaume in Hendaye ein und fuhr uns zwar ohne Klimaanlage, aber doch mit offenem Fenster nach St. Jean Pied de Port und organisierte telefonisch f├╝r uns noch eine M├Âglichkeit, sp├Ątabends etwas zu essen zu bekommen. Diese Pizza war Weltklasse! Nach dem Essen hat er uns sogar im Dorf abgeholt und uns den Berg hoch zur Albergue gefahren und auch an seinem Wein durften wir uns noch f├╝r das Ankommensgetr├Ąnk auf der Terrasse bedienen. Etwas Unrecht haben wir ihm schon getan, der ist schon ein Guter!

What a day!

Liebste Gr├╝├če an alle geliebten Menschen!

Sharing is caring!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.