Kommentare 3

Tag 8: The beer is near!

Die Nacht ist, obwohl es der gro├če Schlafsaal nicht hat vermuten lassen, sehr erholsam. Trotz vieler Herren und damit potentieller Orchester-Teilnehmer in der Herberge, konnte ich ohne Ohropax schlafen und bin erst nach 6 Uhr von den t├╝tenraschelnden jungen Franzosen erwacht. Eine einzige Toilette pro Geschlecht ist tats├Ąchlich zu wenig, wir arrangieren uns aber alle ganz gut. Da der Inhaber des Lokals, in dem wir unser Abendessen zu uns genommen haben auch Fr├╝hst├╝ck ab 6 Uhr angek├╝ndigt hatte, finden sich Rainer, Hugo, Gert, Val, Richard, Klarina und ich dort auf den morgendlichen Kaffee und Energieschub ein.

Auf Irene m├╝ssen wir seit gestern alle verzichten, sie hatte arge Probleme mit ihrem Knie, sodass sie nicht mit uns nach Lezama gelaufen ist, sondern den Bus bis nach Bilbao genommen hat. Wir haben sie sehr vermisst und sie uns auch, der Kontakt kann via Facebook und WhatsApp ununterbrochen gehalten werden. Von Rainer m├╝ssen wir uns an diesem Morgen auch verabschieden.

Er ist seinen Camino von Bilbao bis Santiago gelaufen, zur├╝ck nach Irun gefahren und das St├╝ck bis Bilbao ist sein Abschluss. Gert wird in Bilbao n├Ąchtigen, Hugo wei├č noch nicht, wie weit er kommt. Klarina und ich hatten den Plan, bis Bilbao zu laufen und die Metro bis Portugalete zu nehmen – die Strecke dazwischen ist von Industrie gepr├Ągt und es wird (fast schon) empfohlen, den Weg so zu ├╝berbr├╝cken. Niamh und Miriam wollten sich hier gerne anschlie├čen, ein Lauftag nach Bilbao bleibt ihnen, bevor sie zur├╝ck nach Bilbao und von dort nach Irland m├╝ssen.

Klarina und ich ├Ąndern unseren Plan aber – lieber m├Âchten wir nach Bilbao, eine kurze Strecke und in der Stadt den letzten Tag mit den beiden Irinnen verbringen. Bald sto├čen die Langschl├Ąferinnen zu uns und sind begeistert von der Idee. Also starten wir – ein Anstieg steht uns bevor, der nach den letzten Tagen aber wohl eher Pipifax ist. Leichter Schlamm, ein angenehmer Anstieg, ein „G├Ąstebuch“ auf der Mitte des Weges. Wir hinterlassen eine Nachricht und ein P.s. f├╝r Niamh und Miriam: „The beer is near!“, weil wir mit den beiden verabredet haben, uns an der ersten Bar in der Stadt nahe der Touri-Info zu treffen. Ich meine noch, dass die beiden das Weg-Buch sicherlich gar nicht sehen werden und wir ziehen weiter.

Wir erreichen den Kamm, vorbei an s├╝├čen Hunden und Ziegen und bekommen einen ersten Blick auf Bilbao geschenkt. Auf dem Abstieg ├╝berholen wir Val und Richard, von denen wir uns auch verabschieden m├╝ssen, da die beiden morgen von Bilbao zur├╝ck nach England fliegen.

Einige Treppen geht es abw├Ąrts bis wir auf die erste Bar sto├čen und hier auf die beiden warten. Tats├Ąchlich dauert es keine halbe Stunde, bis auch sie eintreffen und auch haben die beiden weder unsere Nachricht noch den Kasten mit G├Ąstebuch im Wald entdeckt. Als h├Ątte ich geahnt, dass sie mit Scheuklappen den Weg bestreiten.

Wir relaxen ein wenig und machen uns auf die Suche nach der Touri-Info, die wir auf Umwegen auch finden. Die Albergue hat wohl Zimmer frei, die Dame weist uns den Weg zum Bus, den wir zur Herberge nehmen sollen. Da diese aber erst um 15 Uhr ├Âffnet und wir damit noch drei Stunden Zeit haben, beschlie├čen wir bei bestem Wetter bis dorthin zu laufen, statt wie empfohlen den Bus zu nehmen. Wir haben ja schlie├člich auch nur eine sehr kurz Laufstrecke heute gehabt. Also schlendern wir den Fluss entlang, freuen uns der w├Ąrmenden Sonne und kommen nach ein paar Selfies am ber├╝hmten Guggenheim-Museum an.

Zwei Klarinettisten spielen Lieder aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“ und ich muss mich setzen, um die Sch├Ânheit dieses Moments voll auskosten zu k├Ânnen. Die drei Damen vom Grill gesellen sich zu mir, als Karina einen Anruf von Hugo erh├Ąlt – er sei am Museum, was wir denn machen w├╝rden. Diesen wunderbaren Zufall m├╝ssen wir nutzen, treffen uns und m├Âchten gerne irgendwo entspannt zu Mittag essen. Da wir aber auf die Schnelle und nach ein paar durchstreiften Stra├čen nichts finden, fragt Hugo den erstbesten Passanten. Es stellt sich heraus, dass Alfonso Italiener ist, nicht gut Englisch aber daf├╝r flie├čend Deutsch spricht. In der Nachbarstra├če befindet sich sein Sportclub – hier d├╝rfen nur Mitglieder essen, aber wenn er das regelt, k├Ânnen wir dort gerne hin. Das Angebot nehmen wir gerne an, f├╝hlen uns aber schnell fehl am Platz und am├╝sieren uns dar├╝ber: Zwischen Ledersesseln und Business-Leuten schlurfen wir 5 verschwitzte und verschlammte Pilger und haben das beste Essen der gesamten Reise.

F├╝r Hugo ist das Essen blo├čes Energietanken, er m├Âchte weiter bis Portugalete oder Pobena. Es hei├čt also Abschied nehmen, wir werden ihn mit Sicherheit nicht mehr wieder sehen. Der erste richtige Abschied – Irene hatte sich ja einfach so verkr├╝melt.

Wir 4 haben Zeit und laufen Richtung Herberge, die sich ├╝ber den D├Ąchern der Stadt befindet – ein Anstieg, mit dem wir so vollgefressen nicht gerechnet haben. Wir ├╝berleben aber und werden sehr freundlich in einer ├╝beraus einfachen Herberge empfangen. 10 Betten pro Zimmer, einfache Dusche und das Abendessen wird gemeinsam gekocht. Es hat den Anschein, als w├Ąre die Herberge eigentlich eine Turnhalle, am Nachmittag gesellt sich auch eine Kinder-Fu├čballmannschaft auf den Platz vor dem Geb├Ąude. Wir freuen uns ├╝ber den Biervorrat im Getr├Ąnkeautomat, sitzen den gesamten Nachmittag in der Sonne, pflegen unsere K├Ârper und relaxen einfach mal nur.

So einfach diese Donativo-Herberge auch ist, das Gemeinschaftsgef├╝hl aus Kochen und Sp├╝len, gemeinsamem Essen eines 5 G├Ąnge-Men├╝s (!!!) und des freundlichen Auftretens der Hospitaleros ist gro├čartig!

Sharing is caring!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 Kommentare

  1. Liebe Denise,

    bin gerade ├╝ber das Pilgerforum auf deinen Blog gesto├čen. Du hast die Gabe, die Sehnsucht nach dem n├Ąchsten Camino noch zu steigern. War letztes Jahr im Herbst auf deiner Route, aber du bist bisher kaum eine der Herbergen gelandet, in die es mich verschlagen hat – es scheint also noch viel zu entdecken zu geben. Ich muss noch bis zum 21.9. auf der Arbeit durchhalten, dann hab ich 5 Wochen und wollte eigentlich mal auf den C-Portugues. Aber nach deinem Bericht werde ich wohl wieder auf dem DelNorte landen, vielleicht mit der Fortsetzung auf dem Primitivo ab Villaviciosa.

    W├╝nsche dir weitere sch├Âne Erfahrungen – auch ich hab neben der Landschaft die Menschen als die wahren Highlights in Erinnerung, auch wenn es mit den meisten nur kurze gemeinsame Wegstrecken gab.

    Alles Gute und Gottes Segen f├╝r deinen (Lebens-)Weg.
    Peter (aus dem Schwarzwals)

  2. Hugo Van Britsom sagt

    Ci Verediamo, och Bin mit Fernando in selbsten albergo in Santillana del Mar.
    Love to you all.
    Peregrinus Hugo