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22. Tag laufend, Arz├╣a

Jakobsweg: Arzua

Hatte eine sehr warme Nacht, was meiner Erk├Ąltung aber echt gut getan hat. Mal abgesehen von Franzosen und Spaniern, die des Nachts um 23 Uhr (ich lag seit halb 8 im Bettchen) noch Licht anmachen und dazu einen H├Âllenl├Ąrm), eine sehr angenehme Nacht. Der Morgen wurde dann zwar von spanischem Hiphop aus Handylautsprechern (scheinbar gibt es nicht nur in Deutschland zu wenige Kopfh├Ârer) begleitet, aber ich konnte recht schnell in ein Caf├ę auf der anderen Stra├čenseite fl├╝chten.

Ich hatte zwar meine Stirnlampe schon griffbereit, aber so richtig hatte ich heute nicht das Bed├╝rfnis, im Dunkeln loszutapern, zumal der Weg in meinem Buch als „kreuz und quer durch die Stadt“ beschrieben wurde.

Nebel stand ├╝ber den Feldern und H├Ąusern, der sich heute aber schneller aufl├Âste und flink den strahlendblauen Himmel (man, habe ich ein Gl├╝ck mit dem Wetter) freigab. Schal und 2 Jacken waren bald zu warm, der Schal blieb aber doch als Vorsichtsmassnahme dran, auch wenn es wirklich ├╝bertrieben war.

Die Strecke hatte es heute in sich, doch konnte ich an einer Menge Leute vorbeiziehen, die schon auf den ersten Metern humpelten. Seit heute sind Massen an Mini-Rucksack-Pilgern, Burberry-Pilgern und Ohne-Rucksack-Pilgern unterwegs, dazu kommen noch etliche spanische Wandervereine und Altenheime auf Ausgang. Ehrlich, heute war’s ganz sch├Ân schlimm. Die lassen sich zum Teil sogar f├╝r die 100 km, die sie gerade einmal laufen, ihr Gep├Ąck in die n├Ąchste Stadt vorschicken. Und daf├╝r bekommen die die gleiche Compostela wie ich. Naja… nicht aufregen, nicht neiden… Ich wei├č schlie├člich selbst am Besten, was ich geschafft habe.

Pause habe ich in einer Bar gemacht, die „die 2 Deutschen“ hei├čt, habe mich nett unterhalten, bin aber schnell weiter gezogen, um weg von der Masse zu kommen.

Schlimm waren nur die spanischen Wandervereine. Der Spanier an sich scheint ja gerne laut, wenn nicht sogar sehr laut zu sprechen (zumindest auf dem Jakobsweg und in den Herbergen). Da spurte ich also des├Âfteren los, um ihnen zu entkommen, bei meiner n├Ąchsten Pause haben sie mich dann aber doch wieder eingeholt. Auf den Bergen ├╝berhol ich sie, obwohl ich 10 kg auf dem R├╝cken trage und sie nicht (mittlerweile reine Gewohnheit), aber irgendwann kriegen sie mich doch wieder. Sch├Ân sind zwar die Momente der Ruhe, die ich im Wald habe, doch kommen sie aktuell leider wirklich zu kurz, da die Massen hier entlangtraben.

In wenigen Momenten erlebe ich dann doch die Freiheit des Weges, nicht zu wissen, wo ich heute Abend bleibe, nicht zu wissen, welches Geschenk hinter der n├Ąchsten Ecke auf mich wartet oder welche bekannte Stimme mich in der n├Ąchsten Bar erwartet.

So war es dann n├Ąmlich nach knapp 25 km. Ich vernahm eine bekannte und gemochte Stimme, Catherine aus Kanada. Ich taper also in den Biergarten, und wer sitzt da? Catherine, Timo, Manolo und die Niederl├Ąnderin, deren Namen ich immer noch nicht wei├č. Ich komm um die Ecke, das Hallo ist gro├č und direkt bekomme ich mitgeteilt, dass sie gerade von mir gesprochen haben. So gab’s dann erst einmal ein Erleichterungsbier, dass nun endlich bekannte und gemochte Gesichter gefunden warenn. Im Anschluss sind wir zu f├╝nft, erstaunlichweise in einem ganz sch├Ân sportlichen Tempo, das aber keinen von uns fertig gemacht hat, bis Arz├╣a gelaufen. Catherine und ich sind hier nun eingekehrt, die ├╝brigen sind weiter gelaufen. Sie stehen unter einem gewissen Zeitdruck und wollen lieber heute eine l├Ąngere Strecke hinter sich bringen als morgen, da Regen angesagt ist.

Catherine will morgen auch bis zum Monte de Gozo, ich allerdings habe nun 2 20km-Tage vor mir, da ich erst am Samstag in Monte de Gozo ankommen will, um am Sonntag in der Fr├╝h die letzten 5 km nach Santiago zu zelebrieren und es zur 12 Uhr Messe in die Kathedrale von Snatiago de Compostela zu schaffen.

Ich habe mich die ersten zwei Wochen nach deutscher Lekt├╝re gesehnt, habe ├╝berall nach einer deutschen Zeitung Ausschau gehalten, doch nicht mal in Burgos bin ich f├╝ndig geworden. Ich habe mir in Astorga den Spiegel gekauft, hauptsache um etwas Deutsches zu lesen. Den schlepp ich nun auch die ganze Zeit mit mir rum…

In der schw├Ąbischen Herberge in La Faba standen deutsche Buecher zum Tausch herum, und ich habe einen kleinen Schatz dort gefunden. Ein geistliches Pilgertagebuch nach Santiago de Compostela. Ich lese jeden Tag in diesem Tagebuch und erschrecke jedes Mal aufs Neue. Diese Frau ist den Weg 1993 gegangen, also vor 17 Jahren, und sie schreibt genau die Gedanken, die ich selber habe, macht genau die Erfahrungen, die ich selber mache und erlebt genau die Gef├╝hle dem Weg und den Menschen gegen├╝ber, die ich empfinde. Das ist so erschreckend aber auch so wunderbar. Ich bin so gl├╝cklich. Mittlerweile nervt mich noch nicht einmal das Packen am Morgen mehr, es geh├Ârt dazu. Zusammenpacken und losziehen. Einfach laufen.

So, nun muss ich nun mal was mit meiner Busverbindung am Montag recherchieren, hatte n├Ąmlich nicht eingeplant, dass da ja Feiertag ist. Von Sarria nach Triacastela muss ich sowieso schon ein Taxi nehmen, aber die Strecke davor will ich doch im Bus im sitzen.

Ich dr├╝ck euch und k├╝sse euch und umarme euch alle und danke euch so unendlich sehr f├╝r eure lieben Kommentare. Sie tun mir wirklich gut. Habt vielen Dank, ich denke an euch!

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10 Kommentare

  1. Hedwig sagt

    Hallo Gutenabend Denise,
    es ist jetzt schon 20.49uhr. Ich denke Du bist schon im bett.
    Schlaf gut Denise! Was du heute geschrieben hast, war wirklich ganz gut! Und nur noch einige tagen dann bist du in Santiago de Compostela.
    Du bleibst auch noch in Monte de Gozo? Da sind ja die letzte pilgren.

    Geniess noch gut Denise, weil so bald du wieder in Deutschland bist, faengt das normale leben wieder an!
    Buen Camino Denise!

  2. N├Â,hatte einen sehr netten Abend mit Catherine und bin daher auch jetzt noch wach. Danke, Liebe, f├╝r Deine stetigen Kommentare. Ich bleibe f├╝r eine Nachr in Monte de Gozo, f├╝r eine in Santiago und fahre dann ja zur├╝ck nach Triacastela um noch 3 Tage mit Andre und Alessio zu laufen. Liebe Gr├╝├če aus dem Bettchen!

  3. shinto sagt

    pilgern hat doch n├╝sch mit der Menge an Gep├Ąck zu tun… also da bin ich schon verwundert, dass Dich das ├Ąrgert… ­čÖé

    • Pilgern hat nicht mit der Menge des Gepaecks zu tun, wohl aber mit Einstellung und Verhaltensweise, wie ich finde. Und hier sind einfach gerade sehr viele Menschen unterwegs, die einen kleinen Sonntagsspaziergang machen, und nicht um des Pilgerns willen gehen. Noch nicht mal, um als eifriger Katholik den Papa in Santiago zu sehen, sondern einfach nur, um dabei gewesen zu sein. Na, mag vielleicht falsch rueber kommen, aber ich habe halt eher dieses Gefuehl gerade…

  4. Hi Denise,

    I have been relying on Google Translate to follow your journey. The results were sometimes confusing.
    Some final advice – If there is no one to meet you when you reach Santiago be sure to be with a companion that you met along the way when you enter Praza do Obradoiro. It is important to have someone to share in the joy and elation of completing the journey.

    Congratulations on the journey to date.

    Liam

    • Hi Liam, thank you for reading my blog and thank you so much for commenting – I am very sorry the translation is confusing. ­čÖé The sad thing is: I will be alone, when I arrive in Santiago. But my camino is not finished in Santiago: I will take bus to Triacastela to meet my friends who I met 2 weeks ago and will walk with them for 3 more days… So this will be the „end of my camino“ and not Santiago. ­čśë

      I am sorry for being alone when entering the Praza do Obradoiro but I cannot change it…

  5. Wieder einmal tolle Bilder.
    Sch├Ân, dass es dir erk├Ąltungsm├Ą├čig etwas besser geht! St├Âr dich nicht an den Burberry-Pilgern, das ist doch sooo schnuppe ­čÖé
    Jetzt kannst du die letzten Stunden z├Ąhlen, bald hast du es geschafft.
    Und ohne den Camino bisher selbst gegangen zu sein, glaube ich, dass der Rat von Liam wichtig und gut ist.
    Ich w├╝nsch dir alles Gute und denke ganz viel an dich, unbekannter Weise ­čśë

    Liebe Gr├╝├če,
    Doro

    • Leider habe ich es bald geschafft. Das ist alles so normal und wunderbar geworden, dass ich gar nicht an das Ende denken mag…

  6. wow! du hast es fast geschafft. das ist wundervoll! ich w├╝nsche dir noch ein sicheres restpilgern und eine tolle ankunft in santiago!

    freu mich schon darauf, dich wiederzusehen.

    LAHS