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Tag 10: Tag der Pr├╝fungen

Der gestrige Abend mit Klarina und Gert und der noch dazugesto├čenen Camino-Bekanntschaft von Klarina, Kerstin aus Th├╝ringen, war wundervoll – wir hatten einen traumhaften Blick auf Castro-Urdiales und das Meer, dazu noch ein gro├čartiges Abendessen und einen kleinen Absacker. Allerdings hat der Wein am Morgen noch ein wenig im Kopf rumort, trotzdem geht es recht fr├╝h f├╝r uns beide los. Da wir im Gegensatz zu Gert direkt im Hafen „stationiert“ sind, m├╝ssen wir die gesamte Stadt durchqueren. Zum „Kopf“ gesellt sich bei mir ein leichter Halsschmerz, auch zeigt die Nase erste Reaktionen. Eine dicke Erk├Ąltung kann ich nun wirklich nicht gebrauchen.

Die Stimmung, wohl bemerkt bei uns beiden, ist also dem Wetter angepasst: Grau und wolkenverhangen zeigt sich der Himmel und begleitet uns so die ersten Kilometer aus der Stadt heraus und an der K├╝ste entlang. Ich bin froh, Klarina an meiner Seite zu haben – ohne sie h├Ątte ich mich in meiner aktuellen Verfassung mit Sicherheit irgendwo hin gesetzt und w├Ąre auch so schnell nicht mehr aufgestanden. Ich habe wirklich keine Lust und mich nicht gut gef├╝hlt. Ich glaube aber, Klarina geht es auch nicht wirklich bestens und wir erg├Ąnzen uns einfach insofern gut, dass wir uns gegenseitig ziehen. 

Mit Durst auf den ersten Kaffee suchen wir nach einer ge├Âffneten Bar, was auf diesem Weg wirklich sehr schwierig ist. Nachdem wir uns an einer Tanke eine Cola ziehen und ein paar hundert Meter weiter gehen, pr├Ąsentiert sich uns auf einem Campingplatz ein ge├Âffnetes Caf├ę, in das wir auch schnell einkehren. Nur wenige Minuten sp├Ąter h├Âren wir ein „Klack-Klack“ und Gert st├Â├čt zu uns. Nach einem Koffeinschub starten wir gemeinsam, trennen uns aber bald schon: Der Weg bietet hier zwei M├Âglichkeiten: Entlang der Landstra├če oder aber 6km weiter und sch├Âner. Aufgrund unserer aktuellen Verfassung beschlie├čen Klarina und ich, die k├╝rzere Variante durchzuziehen, Gert w├Ąhlt die l├Ąngere. Da wir voraussichtlich schneller in Santona sind, w├╝rden wir uns um die Reservierung seines Bettes k├╝mmern. 

Die Stra├če zieht sich extrem, Klarina ├╝bersteht sie mit einem H├Ârbuch und ich ziehe davon und f├╝hre Selbstgespr├Ąche auf Englisch – plane bevorstehende Gespr├Ąche und mache mir viele Gedanken. Die Stra├če ist ├Âde, bietet aber ebenso wie die Meseta auf dem Franc├ęs die M├Âglichkeit, ohne gro├čartige Ablenkung den Gedanken nachzuh├Ąngen und vor allem: sie zu Ende zu denken!

Klarina und ich kommen aber dann doch in Liendo an, m├Âchten hier unsere gro├če Pause vor den letzten Kilometern machen, ziehen aber doch eingepackt weiter, da es zu regnen anf├Ąngt. Wir haben vorher eine Alternativroute gew├Ąhlt, suchen nun die Pfeile, laufen Richtung Albergue, um dort festzustellen, dass wir im mittlerweile str├Âmenden Regen den Weg umsonst gelaufen sind und umdrehen m├╝ssen. Es wird immer nasser, ich mache mir Sorgen um meine Schuhe, doch stapfen wir irgendwann den Berg hoch. Nun schreibt Gert, dass er schon nach Laredo absteigt und fragt wo wir seien. 

Na super. Eigentlich wollten und sollten wir vor ihm ankommen – das Verlaufen hat uns echt Zeit gekostet. Ich schreibe ihm, dass wir bald da sind (h├Âh├Â), es geht den Berg hinauf, durch Heide, Disteln, Nebel und Regen, wir suchen Pfeile, finden sie schlussendlich und sind den tiefh├Ąngenden Wolken sehr nah. Es geht bergab, auf jahrhunderte altem Pflaster, wir teilen uns meine Wanderst├Âcke und wir kommen endlich in der Stadt an. Dort steht Gert, der nun schon eine Stunde auf uns wartet und eigentlich betrunken sein m├╝sste. Meine Schuhe sind in den letzten 3km komplett durchn├Ąsst, ich laufe in nassen Socken und f├╝hle mich dennoch wohl.

Wir pausieren, trinken und essen etwas und machen uns nun auf die letzten 5,4 km, die entlang des Strandes gehen. Die Promenade mitsamt ihrer H├Ąuserschlucht ist ein Grauen und m├Âchte nicht enden. Am Ende stehen wir dann aber doch endlich am Strand der F├Ąhre gegen├╝ber, die uns nach Santona bringen soll, wir st├╝rzen nicht ├╝ber Bord, sind aber unfassbar fertig. Zum Gl├╝ck hat Klarina in der letzten Pause die Betten f├╝r uns reserviert, sodass wir nicht eilen m├╝ssen. Wir kommen in einer angenehm sch├Ânen Herberge an, haben die Duschen f├╝r uns, da alle anderen schon eingecheckt haben und gesellen uns in die unten liegende Bar. Das Menu del Noche wird erst ab 20 Uhr gereicht, wir haben Hunger und warten. Leider werden wir entt├Ąuscht, das Essen ist seinen Preis nicht wert und eigentlich zahlen wir auch viel zu viel. Das Dessert sparen wir uns, geben uns aber Gerts Eis-Hunger hin und wandern in die Frozen Yoghurt Bude, die wir auf dem Weg in die Herberge entdeckt haben. So findet ein heftiger Tag voller Pr├╝fungen und Anstrengungen doch noch ein gutes Ende.

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4 Kommentare

  1. Margareta sagt

    Hola Denise,
    Kompliment, Dein Blog ist ausgezeichnet und er hat mir beim Lesen viel Freude bereitet.

    Liebe Gr├╝├če
    Margareta

    • Denise sagt

      Hallo Margareta, vielen lieben Dank f├╝r das Kompliment! Ich hoffe, Du bist in einer Woche wieder dabei, wenn es weiter geht! Liebe Gr├╝├če, Denise

      • Margareta sagt

        In Deinen Blog schaue ich sehr gerne. Er liest sich wunderbar und hebt sich wohltuend von den in schlechtem Stil verfassten Massenberichterstattungen ├╝ber gegangene Jakobswege ab. ├ťberdies sind Deine Fotos ebenfalls ausgezeichnet.
        So bereiten Reiseberichte den Lesern Freude.

        Danke Dir sehr herzlich und selbstverst├Ąndlich verfolge ich Deinen weiteren Weg.

        Buen camino
        w├╝nscht Dir
        Margareta

        • Denise sagt

          Da geht runter wie ├ľl. Danke!!! Steckt auch viel Herz drin!!! Buen Camino!