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Tag 14: Man muss auch mal schlendern k├Ânnen

Die allmorgendliche Baywatch-Melodie weckt unser Zimmer und erstaunlich schnell schaffen es f├╝nf Menschen, sich zu sammeln und alles zu packen, sodass wir um 7 Uhr schon auf der Stra├če sind. Abemals verlassen wir einen Ort in der Hoffnung, baldigst eine Bar f├╝r einen Kaffee zu finden – in einer so touristisch gepr├Ągten Stadt wie dieser werden wir mit Sicherheit kein Gl├╝ck haben. Wie jeden Tag geht es erst einmal bergauf, vorbei an H├Âfen, einer Camping-Anlage und durch kleine Streusiedlungen. An einer Bar, die eigentlich ab 7 Uhr ge├Âffnet haben sollte, stehen wir wieder mal vor verschlossenen T├╝ren. 

In den folgenden D├Ârfern ├Ąndert sich dieser Umstand nicht, wir schlendern also weiter und so teilt sich die Gruppe auch bald auf. Nancy und Lex ziehen davon, w├Ąhrend wir uns unheimlich viel Zeit lassen. Es stehen uns heute schlie├člich nur 23km bevor und da die Herberge erst um 15 Uhr ihre Pforten ├Âffnet, bleibt viel Zeit um zu schnattern und die Sonne zu genie├čen. Endlich finden wir drei eine ge├Âffnete Bar und g├Ânnen uns den ersten Kaffee des Tages. Unser Fr├╝hst├╝ck tragen wir im Rucksack und ziehen daf├╝r auf einen alten Rastplatz gleich nebenan mit gro├čartigem Blick ├╝ber die D├Ącher der Stadt und das Meer.

An einer Stra├čenkreuzung sind wir schon dabei, den gelben Pfeilen nach rechts zu folgen, als ein M├Ânch auf der anderen Stra├čenseite wild gestikulierend winkt und ruft. Er gibt uns den Tipp, der Stra├če weiter zu folgen bis diese wieder auf den Camino st├Â├čt. Das w├Ąre leichter und besser. Da wir uns nicht gegen die Empfehlung eines Gottesmannes auflehnen wollen, folgen wir seinem Hinweis und stapfen abermals eine (diesmal st├Ąrker befahrene) Landstra├če entlang. Um auch die unaufmerksamsten Autofahrer auf uns hinzuweisen und sie zu etwas Abstand zu n├Âtigen, fahre ich den Wanderstock aus und verschaffe uns damit etwas Spielraum. Und mir kommt Kerkeling in den Kopf, der das auf dem Camino Franc├ęs ebenso gemacht hat, als er mit Anne eine solche Stra├če entlang gelaufen ist.

Als die Stra├če endlich wieder auf die Piste des Caminos trifft, sto├čen wir auf Lisa, die sich sehr freut, den restlichen Weg mit uns zu gehen. Wir k├Ânnen die Stra├če verlassen, bleiben aber weiter im Schlender-Schlurf-Tempo, verlaufen uns kurz in einem Dorf, machen Halt in einer endlich mal ge├Âffneten Kapelle und erhalten hier auch einen Stempel. Als ein weiterer Camping-Platz auftaucht, wittern wir die obligatorische Beer o’clock, rasten und schielen ein wenig neidisch auf den Swimming-Pool. Die Hitze steht schon wieder auf der Stra├če, kaum ein L├╝ftchen weht und ich habe schon seit Stunden Probleme mit meinem Auge. Eine Bindehautentz├╝ndung schlie├če ich kategorisch aus, es wird die Sonnencreme sein. Trotzdem Mist und ich f├Ąnd eine Piraten-Augenklappe gerade ganz sch├Ân toll.

Als sich die Stadt Comillas, unser Tagesziel, das erste Mal zeigt und wir wieder einmal an einer sch├Ânen Steilk├╝ste stehen, ist noch einmal Tripod-Time und auch Lisa darf mit aufs Bild. Als wir an der Albergue ankommen, stehen schon 5 Rucks├Ącke in Reih und Glied – Nancy und Lex sind auch schon da, allerdings sehen wir nur ihre Rucks├Ącke, von ihnen aber keine Spur. Also entledigen auch wir uns der Wanderschuhe, nehmen die wichtigsten Dinge, stellen die Rucks├Ącke in die Schlange und tapern in die Stadt. Comillas ist ein h├╝bsches St├Ądtchen und trotz der aufringlichen Restaurant-Werber weitaus weniger touristisch als Santillana del Mar. An einer Heladeria bleiben wir einfach h├Ąngen und g├Ânnen uns zwei riesige Kugeln, dann entdecken wir auch Nancy und Lex, gesellen uns kurz zu ihnen, bevor wir wieder zur Herberge m├╝ssen. Diese befindet sich in einem alten Gef├Ąngnis und h├Ąlt nur f├╝r 20 Pilger Betten bereit. Als wir ankommen ist es auch schon fast die H├Âchstzahl.

Die Herberge ist vollkommen ok, erst recht f├╝r 5ÔéČ, wir duschen schnell und waschen W├Ąsche und verkr├╝meln uns zu Dritt in den Garten um ein wenig zu schreiben und zu lesen. Diese Sonne knallt aber bald so sehr, dass wir fl├╝chten m├╝ssen. Da wir uns mit Comillas wieder am Meer befinden und auch einen tollen Strand vor der Nase haben, beschlie├čen wir ein Dinner ebendort. Essen haben wir schon, schnell noch Wein gekauft und einem tollen Abend mit den F├╝├čen im Meer und Sand steht nichts mehr im Weg. Sp├Ąter gesellten sich noch Lisa, Luzie und ein weiterer Pilger zu uns – so kann das gerne jeden Abend sein!

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